Filmwelt

Filmrezension | Club der roten Bänder – Wie alles begann

Drei Staffeln lang ging es in der Serie „Club der roten Bänder“ um sechs Jugendliche, die aus verschiedenen Gründen (also Krankheiten) im fiktiven Albertus-Klinikum leben müssen. Trotz der unterschiedlichen Krankheitsbilder finden Leo, Jonas, Emma, Alex, Toni und Hugo zusammen und gründen den Club der roten Bänder. Jetzt finden die Jugendlichen auch den Weg ins Kino.

In der Serie geht es um die Krankheiten, die die einzelnen Protagonisten erleiden. Krebs, Herzkrankheiten und eine Essstörung zum Beispiel. Aber es geht auch um Liebe, Freundschaft und das Erwachsenwerden, trotz der jeweiligen Krankheiten. Der Kinofilm von Felix Binder erzählt nun die Geschichten der Jugendlichen bevor sie zum Club der roten Bänder wurden und noch keine Ahnung davon hatten, was sie alles noch zusammen durchstehen müssen.

Leo, der im Film noch beide Beine hat, wird erstmals wegen eines Tumors im Unterschenkel ins Krankenhaus eingeliefert und muss sich mit seinem zynischen Zimmergenossen Benni (Jürgen Vogel) rumschlagen. Emma wird dabei erwischt, wie sie Drogen kauft, die unter anderem den Appetit zügeln. Und auch die anderen zukünftigen Mitglieder des Clubs haben so ihre Probleme, bis zu den Momenten, die plötzlich ihr ganzes Leben verändern werden.

Das Thema Autismus bedient eher Klischees

Schade ist, dass der Film eigentlich die Vorgeschichte aller Protagonisten erzählen sollte. Im Fokus steht allerdings hauptsächlich Leo. Die weiteren aus der Serie bekannten Figuren werden eher kurz beleuchtet, was für einige Zuschauer der TV-Serie eine Enttäuschung darstellen kann.

Auch das Thema Autismus wird behandelt. Aber anstatt zu zeigen, dass Autismus eine ernstzunehmende Krankheit ist, wird Toni, der im Film und der Serie unter der Entwicklungsstörung leidet, eher ein bisschen lächerlich dargestellt. So holt Toni bei einer Unterhaltung mit einer Motorrad-Gang, dessen Mitglieder nur wenig älter als er zu sein scheinen, ein Bündel mit Fotos von seinem Großvater raus, die ihm dabei helfen sollen die Emotionen anderer Menschen zu verstehen.

Vorgeschichten zu bekannten Formaten sind oftmals nur das einfachste Mittel für die weitere Monetarisierung einer Marke. Das ist bei der Verfilmung von „Club der roten Bänder“ zum Glück nicht der Fall, weil es hier wirklich etwas zu erzählen gibt. Der Film berührt und trägt dazu bei, die Protagonisten der Serie als reale Personen anzusehen, da man nun weiß, dass sie vor ihren Diagnosen völlig normale Leben geführt haben und nicht schon immer unter Krankheiten gelitten haben.

Der Film, wie schon die Serie, basiert auf den Erlebnissen des spanischen Erfolgsautors Albert Espinosa. Mit 14 Jahren wurde bei ihm, ähnlich wie bei Leo, Krebs im Bein diagnostiziert. Die nächsten zehn Jahre seines Lebens verbrachte Espinosa immer wieder im Krankenhaus und verlor in dieser Zeit das Bein, einen Teil seiner Leber sowie einen Lungenflügel. In seinem Buch „Geheimnisse aus der gelben Welt“ verarbeitet er seinen Kampf gegen Krebs.

Berührend und humorvoll, trotz kleiner Schwächen

Trotz vieler tragischer Momente (Tearjerker!) wird die Geschichte um Leo und die anderen Mitglieder des Clubs humorvoll erzählt. Auch wenn die Schauspieler noch jung sind (der Jüngste wird im September 2019 18 Jahre alt), glaubt man ihnen jede Gefühlsregung und kann jede schwere Entscheidung, die sie in ihren Leben treffen müssen, nachvollziehen. Nachdem ihm gesagt wird, dass die Chemotherapie nicht geholfen hat und sein Bein amputiert werden muss, muss Leo die Entscheidung, an welcher Stelle der Schnitt gemacht wird, selbst treffen. Seine Entscheidung, bewusst mit dem Krebs umzugehen, seine Situation zu akzeptieren und damit einen Wendepunkt in seinem Leben markiert, führt auch dazu, dass Leonard sich zukünftig Leo nennen lassen möchte.

Die Rolle des ewig schlecht gelaunten Benni wurde vermutlich direkt auf Jürgen Vogel zugeschrieben. Mit seiner pessimistisch-realistischen Art wird er ein wichtiges Gegengewicht für Leos Umgang mit der Krankheit – und auch für die Gründung des Clubs der roten Bänder.

„Club der roten Bänder – Wie alles begann“ ist eine emotionale Verfilmung mit kleinen Schwächen. Trotzdem ist der Film eine gute Ergänzung zur Serie. Auch für Neueinsteiger ist der Film geeignet, weil er auch unabhängig zur Serie existieren könnte. Dann aber mit deutlich geringerem Mehrwert.

„Club der roten Bänder – wie alles begann“ läuft ab dem 14. Februar in den deutschen Kinos.

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